Der Fall des Kunstsammlers Gurlitt

  
Der Fall des früheren Kunstsammlers Cornelius Gurlitt hält nun bereits seit über einem Jahr die Öffentlichkeit in Atem. Es war nicht zu fassen, als im November 2013 durch die Presse ging, welche Kunstschätze Cornelius Gurlitt in seiner Wohnung und in seinem Keller in München aufbewahrt hatte. Auf die Frage, wem Bilder zustehen, bei denen es sich eventuell um Nazi-Raubkunst handelt, soll hier nicht näher eingegangen werden. Es soll nur kurz die erbrechtliche Problematik angesprochen worden, die nun auch sehr spannend geworden ist:

Bevor Cornelius Gurlitt im Mai 2014 verstorben war, hatte er noch ein Testament verfasst. Er hatte darin als Alleinerbin das Kunstmuseum Bern eingesetzt. Dies ist unproblematisch, da im deutschen Recht auch eine juristische Person, wie ein Verein, oder eine Gesellschaft, grundsätzlich Erbe sein kann.

Jeder Erbe hat das Recht, die Erbschaft auszuschlagen. Die Frist beträgt grundsätzlich 6 Wochen, wenn sich der Erbe allerdings bei Fristbeginn im Ausland aufhält, hat er sogar 6 Monate Zeit, um die Erbschaft auszuschlagen. In dieser Zeit muss sich der Erbe überlegen, was er tut. Erklärt er sich gegenüber dem Nachlassgericht gar nicht, wird er automatisch Erbe. Das Kunstmuseum Bern hat sich für die Entscheidung die ganzen 6 Monate Zeit gelassen. Nun hat es erklärt, dass Erbe anzunehmen.

Allerdings hat zwischenzeitlich eine noch lebende Cousine des Cornelius Gurlitt selbst Antrag beim zuständigen Nachlassgericht München gestellt, ihr einen Teil-Erbschein für den Nachlass zu erteilen. Sie begründet dies damit, dass Cornelius Gurlitt bei Niederschrift des Testaments testierunfähig gewesen sei. Damit sei das Testament unwirksam und sie zur Hälfte gesetzliche Erbin.

Offenbar gibt es ein Gutachten eines Sachverständigen, der den Geisteszustand und die Testierfähigkeit des Cornelius Gurlitt tatsächlich angezweifelt hat. Immerhin wurde Gurlitt im Dezember 2013 auch durch das Betreuungsgericht unter vorläufige Betreuung gestellt.

Diese Fragen wird das Nachlassgericht nun zu klären haben. Sollte es wirklich Testierunfähigkeit bei Cornelius Gurlitt nachträglich feststellen, hätte die Cousine recht. Das Testament wäre unwirksam und es käme automatisch zur gesetzlichen Erbfolge. Die Cousine wäre dann insofern zur Hälfte Miterbin.

Man darf gespannt sein, zu welcher Entscheidung das Nachlassgericht München kommt. Das gerichtliche Verfahren kann sich allerdings längere Zeit hinziehen.
  

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